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C. Hebräisches Schrifttum des 11. und 12. Jahr

hunderts

(In deutscher Übertragung)

1. Recht

MOSES BEN MAIMON

OSES BEN MA IMON (1135-1204) aus Córdoba, von den Christen Maimonides ge

Mnannt, studierte in jüdischen und arabischen Schulen. Durch den Einfall der Alms Re

den (1148) gezwungen seine Vaterstadt zu verlassen, hielt er sich an verschiedenen Orten Spaniens, in Fez, Palästina und Ägypten auf und trieb Handel mit Edelsteinen. Später wurde er Arzt. Salâhaddîn ernannte ihn zu seinem Leibarzt, auch unter dessen Sohn bekleidete er diesen Posten. Maimonides hatte auch in Altkairo eine Talmudschule gegründet. In seinen naturwissenschaftlichen Werken beschäftigte er sich mit Galen und verfaßte einige medizinische Schriften. Sein wichtigstes theologisches Werk ist die Mischnah Thorah, auch Jad hachasaka genannt (eine Art Umarbeitung des Talmud), sein bedeutendstes philosophisches Werk Moreh Nebukin (der „Führer“; arabisch abgefaßt. (Ausgabe: S. Munk, Le Guide des Égarés, Traité de Théologie et de Philosophie par Moïse ben Maïmoun dit Maïmonide, I-III, Paris, 1856-66 (Arab. Text und franz. Übersetzung). Deutsche Übers.: Mose ben Maimon, Führer der Unschlüssigen, übers. v. A. Weiss, 3 Bde., Leipzig, 1923, 1924). Mit ihm findet die Entwicklung der eigentlichen jüdischen Philosophie ihre Vollendung und ihren Abschluß.

Literatur: W. Bacher, M. Brann, D. Simonson u. J. Guttmann, Moses ben Maimon, sein Leben, seine Werke und sein Einfluß I, Leipzig, 1908; L. Lévy, Maïmonide, Paris, 1911; J. Münz, Moses ben Maimon (Maimonides), sein Leben und seine Werke, Frankfurt a. M., 1912; A. Rohner, Das Schöpfungsproblem bei Moses Maimonides, Albertus Magnus und Thomas von Aquin, Münster i. W., 1913; D. Yellin u. I. Abrahams, Maimonides, London, 1903; A. Bonilla y San Martín, Historia de la Filosofia Española (Siglos VIII-XII: Judíos) Madrid, 1911, S. 275 ff.

Aus der Mischnah Thorah (Jad hachasaka)

[Text nach Maimonides, Mischne Thora oder Jad hachasaka, übers. von A. Wolff. 4. Band: Das jüdische Civil- und Strafrecht. 1890. IV. Gesetze über Körperverletzung und unmittelbare Beschädigungen (S. 98ff.). a: aus Kap. 1; b: aus Kap. 2.]

a.

5

Wer einen andern körperlich verletzt, muß ihn wegen folgender fünf Punkte entschädigen: wegen des Schadens, des Schmerzes, der Heilung, der Versäumnis und der Schande; sämtliche diese Punkte werden entschädigt von den besten Gütern des Beschädigers nach den für ihn bestehenden Vorschriften. 2. Wie erfolgt der Ersatz für Schaden? Wenn jemand einem andern die Hand oder den Fuß abgehauen, so betrachtet man diesen, als wäre er ein Sklave gewesen, der auf dem Markt verkauft werden sollte, man schätzt ihn ab, wieviel er früher wert war und wieviel er jetzt wert ist, und der Verletzende bezahlt den Unterschied im Werte, denn es heißt (2. B. M. 21, 24):,,Auge für Auge". Auf Grund der Überlieferung lehren die Weisen, daß der Ausdruck,,(Auge) für (Auge)" den Ersatz durch Geld bezeichnet. 3. Das Wort der Schrift (3. B. M. 10 24, 19):,,Und wenn jemand seinem Nächsten einen Fehler beibringt, sowie er getan, so soll ihm geschehen", bedeutet nicht, daß man ihn wie er den andern verletzte, in gleicher

Weise verletze, sondern daß er es verdiene, daß man ihm ein Glied kürze, oder daß man ihn sonst verletze, ganz wie er getan, daß er aber deswegen den Schaden nur bezahlen müsse. Daß es jedoch heißt (4 B. M. 35, 31):,,Und ihr sollet kein Lösegeld nehmen für die Person eines Mörders", so lehrt das, daß es nur für den Mörder kein Lösegeld gibt, daß es 5 dagegen Lösegeld für denjenigen gibt, der Glieder gekürzt hat, oder für sonstige Verletzungen.

b.

Wer einem andern eine Verletzung beibringt, die geeignet ist für alle fünf Punkte Ersatz zu fordern, muß für alle fünf Ersatz geben. Bringt er ihm einen Schaden bei, der den Ersatz von nur vier Punkten verwirkt, so bezahlt er für vier; verwirkt er nur 10 für drei, so muß er Ersatz für drei geben; für zwei gibt er Ersatz für zwei. Verschuldet er nur für einen Punkt Ersatz, so muß er diesen für einen leisten. Wie ist das zu verstehen? Wer die Hand oder den Fuß oder den Finger des andern abhaut oder dessen Auge blendet, bezahlt für fünf Punkte: für Schaden, Schmerz, Heilung, Versäumnis und Beschämung. Wenn er auf des andern Hand schlägt und diese schwillt an, kann jedoch 15 später wieder in den früheren Zustand zurückkehren, oder wenn er auf sein Auge schlägt, daß es aus seiner Höhle heraustritt, das aber später wieder gesund wird, so bezahlt er den Ersatz für vier Punkte: für Schmerz, Heilung, Versäumnis und Beschämung. Wenn er auf eine Stelle schlägt, an der die Verletzung nicht sichtbar ist, wenn er z. B. auf seine Kniee oder auf seinen Rücken schlägt, so bezahlt er für zwei Punkte: für 20 Schmerz und Heilung. Schlägt er auf ein Tuch, das der andere in der Hand hat oder auf ein Schriftstück oder auf ähnliche Dinge, so gibt er nur für einen Punkt Ersatz, nämlich nur für Beschämung. 3. Wer mit einem Spieße oder mit einem Nagel des andern Fingernägel brennt, eine Stelle also, wo eine Verletzung nicht entsteht und die auch nicht an der Arbeit hindert, braucht nur für den Schmerz zu bezahlen. Gibt er ihm Gift zu trinken oder bestreicht ihn damit und verändert dadurch die Farbe seiner Hand, so braucht er ihm nur für Heilung Ersatz zu geben und er muß ihm diesen Ersatz solange zahlen, bis die Haut ihre frühere Farbe erhält. Wenn er ihn in ein Zimmer einschließt, so braucht er ihm nur den Ersatz für Versäumnis zu geben. Und so gilt es für alle solche Fälle. 4. Wer das Haupthaar des andern abschert, braucht ihm nur für dessen Be30 schämung Ersatz zu geben, weil sein Haar wieder wächst. Entfernt er es mit einer Salbe oder brennt er es ab, daß es später nicht wieder wächst, so ist er wegen aller fünf Punkte ersatzpflichtig: wegen des Schadens, des Schmerzes und der Heilung, weil der Kopf des durch das Abbrennen oder die Salbe haarlos Gewordenen erhitzt wird und dadurch schmerzt. Er muß ihm ferner für Versäumnis bezahlen, weil er als Tänzer z. B. nicht 35 tanzen kann, da hierbei Bewegungen mit den Haarlocken gemacht werden, weil also dadurch sein Erwerb ruhen muß. Auch soll er ihm für Beschämung Ersatz geben, weil es keine größere Beschämung als eine solche gibt.

25

2. Astronomie

MOSES BEN MAIMON

S. S. 23.

Aus Kiddusch Hochodesch

Diese in der Mischnah Thorah enthaltenen ritualen Satzungen betreffen die Heiligung des Neumondes.

[Text nach Maimonide, Kiddusch Hochodesch, übers. von E. Mahler. Wien, 1889. S. 61-63.]

Gemäß den bisherigen Auseinandersetzungen über die Methoden, nach denen der Gerichtshof das Sichtbarwerden der Mondsichel zu berechnen hat, ist es gewiß, daß jeder, dessen Geist offen ist und dessen Herz nach Weisheit lüstert, bestrebt sein wird, sich diese Methoden anzueignen.

5

Bezüglich der Rechenmethoden stritten die größten Gelehrten des Altertums, welche sich mit der Thekuphen-Rechnung und den zugehörigen mathematischen Problemen beschäftigten; die größten und scharfsinnigsten Forscher vertieften sich in diese Probleme und dessenungeachtet blieb ihnen vieles noch dunkel und zweifelhaft. Erst nach langer Zeit und tiefsinnigem Forschen und Prüfen ist es einigen Gelehrten gelungen, die Methoden kennen zu lernen, nach denen diese Rechnung geführt 10 werden muß; überdies sind uns noch gewisse Fundamentalbegriffe durch die Überlieferung erhalten geblieben, die sich in keinem der bekannten Bücher vorfinden. Es schien mir daher für geeignet, diese Methoden näher zu erläutern, damit sie jedem, der sich mit Liebe dieser Wissenschaft zu nähern gedenkt, zugänglich seien.

Nur mögen diese Lehren nicht geringfügig erscheinen, weil man ihrer heute nicht 15 mehr benötigt. Es sind dies tiefeingreifende Lehren, sie bilden die Geheimnisse des Ibbur, die zwar den großen Weisen bekannt, keineswegs aber den übrigen Leuten zugänglich waren, während die zyklische Rechnung, die heutzutage ausgeführt wird, wo nicht mehr der Gerichtshof die Kebia auf Grund des Sehens der Mondsichel festsetzt, derart ist, daß jedes Schulkind in drei bis vier Tagen sich dieselben aneignen kann. 20 Sollte der eine oder der andere der Gelehrten, welche diese Probleme, die hier vorgetragen werden sollen, aus griechischen Werken kennen, die Wahrnehmung machen, daß bei einigen dieser Lehren nur eine geringe Annäherung stattfindet, so möge er nie glauben, daß dies unbewußt geschehen, vielmehr ist überall da, wo die Theorie ganz klar und deutlich eine Annäherung zuläßt, auf die vollste Genauigkeit nicht geachtet 25 worden.

Zeigt sich einmal eine kleine Abweichung von dem hier zu erwartenden Rechnungsresultate, so ist dies mit Absicht geschehen, da das Streben vorlag, auf kurzen Wegen zum Ziele zu gelangen, um nicht den im Rechnen weniger Geübten unnötigerweise mit vielen weitläufigen Rechnungen zu plagen, die zum Behufe des Wiedersehens der Mond- 30 sichel gar nicht nötig sind.

3. Medizin

MOSES BEN MAIMON

S. S. 23.

Aus Gifte und ihre Heilung

Diese Abhandlung wurde 1198 auf Anordnung des ägyptischen Wezîrs geschrieben. Das Original ist arabisch abgefaßt.

[Text nach Maimonides, Gifte und ihre Heilung, übers. von M. Steinschneider (Archiv für pathologische Anatomie und Physiologie LVII (1873). S. 70—72.)]

Regimen des Gebissenen überhaupt

Wenn jemand gebissen wird, so verbinde man, was oberhalb der gebissenen Stelle liegt, so fest als möglich, damit das Gift sich nicht im ganzen Körper verbreite. Während die Stelle verbunden wird, mache ein anderer Einschnitte mit einem Messer am Orte des 35 Bisses und sauge mit dem Munde mit aller Kraft und spucke alles Ausgesogene aus.

Man spüle aber vor dem Aussaugen den Mund mit Olivenöl oder Wein und Öl, sauge hierauf und beschmiere die Lippen mit Veilchenöl, wenn es vorhanden, oder Olivenöl zum Schutze des Saugenden. Letzterer darf im Munde keinerlei Krankheit und keinen angefressenen Zahn haben. Einige Ärzte verlangen auch, daß er nüchtern sei, andere, 5 daß er es nicht sei, sondern ein wenig gegessen habe. Mir scheint, daß die Nüchternheit desselben für den Gebissenen besser, aber für den Saugenden selbst gefährlicher sei und umgekehrt; denn der Speichel des Nüchternen ist heilsam für eine Giftwunde und für die meisten großen (bösen) Wunden. Ist niemand zum Aussaugen da (ist der zum Aussaugen Bestimmte ein Schwächling), so gebrauche man Saugebecher (Schröpfköpfe) 10 ohne Feuer oder mit Feuer; letztere sind kräftiger und besser, da sie Zug und Brand verbinden. Hierauf entferne man die Speise aus dem Magen durch leichte Brechmittel; wird das Brechen schwierig, so nehme man Öl und Butter, hüte sich aber vor schmerzhaftem Erbrechen. Hierauf nehme man den großen Theriak oder, wenn dieser nicht vorhanden, das Latwerg (genannt) Mithridat oder eines der großen Latwerge, welche über15 haupt gegen Vergiftung dienen oder, wenn beide fehlen, eines der einfachen Mittel, welche gegen den Tierbiß überhaupt dienen, wie sie nebst ihrer Anwendung später folgen. Dann bringe man auf die Biẞstelle eines der Mittel, welche das Gift anziehen, einfache oder zusammengesetzte, je nachdem sie vorhanden sind. Nach einer Stunde beobachte der Kranke seine Symptome. Wenn sein Schmerz nachgelassen, der Puls 20 kräftiger geworden, die Farbe sich zu bessern angefangen, so geschehe nichts weiter. Jedoch lasse man den Gebissenen nicht schlafen, denn im Schlafe läuft die Elementarwärme und die Materie in das Innere des Körpers, und das Gift gelangt in die Tiefe des Körpers; erreicht es die hauptsächlichen Glieder, so tötet es; deshalb muß man den Schlaf beständig verhindern. Auch darf die Wunde nicht geschlossen und noch nicht 25 entblößt werden, sondern die Bißstelle muß offen bleiben, damit die Feuchtigkeit daraus fließe, bis man vor dem Gifte sicher (befreit) ist. Siehst du, daß der starke Verband ihn schmerzt, so löse ihn sein wenig. Ist das Heilmittel aus dem Magen gegangen und hat seine Wirkung geübt, aber nicht vor acht Stunden, so reiche ihm die für den Gebissenen angemessenen Nahrungsmittel. Siehst du aber, daß der Schmerz des Bisses vor 30 dem Essen sich vermehrt und verstärkt, so entferne das auf die Bißstelle gelegte Mittel, schlachte eine junge Taube, schneide ihr unmittelbar nach dem Schlachten den Bauch auf und lege sie auf die Bißstelle. Fühlt der Gebissene, daß die Wärme der Taube nachlasse, so lege man eine neue auf; findet man keine junge Taube, so nehme man dafür einen kleinen oder großen Hahn oder eine Henne unmittelbar nach dem Schlachten. Man 35 behauptet, daß dies Aufschneiden des Bauches und Auflegen auf die Bißstelle, bis der Schmerz nachlasse, sehr förderlich sei, indem hierdurch der Schmerz nachlasse und der Rest des Giftes ausgezogen werde. Manche Ärzte lassen die Anwendung jener Vögel vorangehen und dann die einfachen oder zusammengesetzten Heilmittel gegen das Gift auflegen. Finden sich die erwähnten Vögel nicht, so gieße man Essig auf die Bißstelle 40 oder mache ein Pflaster aus Mehl gekocht mit Olivenöl, welches den Schmerz stillt. Wenn letzterer, wenn alles dies angewendet worden, dennoch nicht nachläßt, sondern zunimmt, und der Kranke ohnmächtig wird, so ist dann eine Behandlung erforderlich, welche nicht mehr in den Bereich dieser Abhandlung gehört. Es bedarf dann eines erfahrenen Arztes, welcher nach den allgemeinen Methoden verfährt, die in den weit45 läufigen Werken erwähnt sind, je nach dem Temperament des gebissenen Individuums.

4. Poesie

JEHUDA BEN GABIROL

Salomon ben JEHUDA BEN GABIROL (10251070), von den Christen Avicebron genannt, aus Málaga, lebte in Zaragoza und irrte später unstet durch Spanien. Er ist der bedeutendste unter den jüdischen Dichtern des Mittelalters, seine Dichtungen weisen stark melancholische Züge auf. Als Philosoph schrieb er den,,Quell des Lebens“ (Mekôr Chajim), beeinflußt von den Ideen Ibn Masarras (s. S. 11).

Literatur: D. Kaufman, Studien über Salomon Ibn Gabirol, Budapest, 1891; A. Geiger, Salomo Gabirol und seine Dichtungen, Leipzig, 1867, J. Guttmann, Die Philosophie des Salomon ibn Gabirol, Göttingen, 1889; M. Wittmann, Die Stellung des Hl. Thomas von Aquin zu Avencebrol, Münster, 1900; M. Wittmann, Zur Stellung Avincebrols im Entwicklungsgang der arabischen Philosophie, Münster, 1905; A. Bonilla y San Martin, Historia de la Filosofía Española (Siglos VIII-XII: Judios), Madrid, 1911, S. 97ff.

[Text des mitgeteilten Gedichts nach F. Perles, Die Poesie der Juden im Mittelalter. Frankfurt a. M., 1907. S. 10 (Übers. von Geiger).]

«Klagst unter Tränen deine Pein, >>schwemmst fast hinweg den harten Stein; »warum besingst du nicht die Reben, >>warum nicht huldigst du dem Wein? 5 >>Der jagt die Trauer keck und tüchtig, >>daß sie davoneilt, feige, flüchtig.>>

Doch ich: Er mag dem Armen lügen, in reicher Schätze Traum ihn wiegen, er läßt gleichwie auf Sturmes Flügeln 10 der Sorgen schwere Last verfliegen, verhärtet selbst des Vaters Herz,

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daß ihn nicht rührt des Kindes Schmerz.

MOSE

Doch ist kein Meer der Kelch, kein See deckt nicht mein tiefes, breites Weh. Das wächst so wild; wenn du's geschnitten, der Nachwuchs dringt zu gleicher Höh'! Ach, Leib und Herz sind mir zerrissen, das Aug' bedeckt von Finsternissen.

Das Morgenrot, so lieb, so hold
entfaltet seiner Fahnen Gold,
es steht der Morgensterne Schar
gleichwie Paniere aufgerollt;

es glänzt der Tau: Mir steigt die Trauer,
mir ist so kalt vom Morgenschauer.

MOSE BEN ESRA

ben Jakob BEN ESRA ( ?—1138), aus Granada, besang Wein, Liebe und weltliche Freuden und verfaßte im Alter religiöse Dichtungen, die sich durch kraftvolles Pathos auszeichnen. Er schrieb auch religionsphilosophische Abhandlungen.

[Text des mitgeteilten Gedichtes nach M. Sachs, Die religiöse Poesie der Juden

in Spanien. Berlin, 1845. S. 73. (Hebr. Text S. 23).]

Vom Lebensmark und Herzensblut

sei Spende dir geweiht und Gut.

Olaß die Gabe dir behagen,

wie in der Urzeit, in der Vorwelt Tagen.

O achte ihrer Tränen Fluß,

30 wie auf dem Altar Opferguß;
was im Gebet demütig sie verkünden,
entsühn' statt Opfers sie von ihren Sünden.
O laß die armen Flücht'gen Gnade finden,
die zu dir schauen,

35 ihr Leben dir vertrauen,

wie in der Vorwelt Zeit, der altersgrauen.

Du forderst Liebe statt der Altarspende, Erkenntnis deiner mehr denn Opferbrände, statt Weihrauch duftes, daß wir züchtig wandeln. —

15

20

O du, dem offenbar des Menschen Handeln, 40
o rufe Heil den traur'gen Zionsstraßen,
die schon so lang verödet und verlassen,
ein Erbe sind der Leuen worden
und wilder Tiere Horden.

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