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JEHUDAH BEN HALLEWI

EHUDAH BEN SAMUEL HALLEWI (1085?-1143) aus Toledo, studierte TalmudWissenschaft, widmete sich in Toledo der Medizin und starb in Palästina. Er schrieb außer einem philosophischen Werk (in arab. Sprache, Al-Chasari) eine große Anzahl von Dichtungen, in denen ersich der alten Psalmenpoesie nähert, und ist der Sänger des trauernden Zion.

Ausgaben: A. Geiger, Divan des Castiliers Abu '! Hassan Juda ha Levi, Breslau, 1851; Diwân, hrsg. von H. Brody, Berlin, 1901 ff.; Al-Chazari, hrsg. von Hirschfeld (2 Bde.), Leipzig, 1886-87; hrsg. von A. Bonilla y San Martin (Colección de filósofos españoles y extranjeros I. Cuzary), Madrid, 1910 (dazu deutsche Übers. von Hirschfeld, Leipzig, 1885).

Literatur: H. Brody, Studien zu den Dichtungen Jehuda-ha-Levis, Berlin, 1895; A. Bonilla y San Martin, Historia de la Filosofía Española (Siglos VIII-XII: Judios), Madrid, 1911, S. 229 ff.

[Text der mitgeteilten Gedichte: a: Keduschuh (Gebet) für den Versöhnungstag nach M. Sachs, Die religiöse Poesie der Juden in Spanien, Berlin, 1845, S. 83; b: Elegie nach F. Perles, Die Poesie der Juden im Mittelalter, Frankfurt a. M., 1907, S. 12. (Übers. von Kämpf).]

a.

Wem soll ich dich vergleichen?
Dich kann ja nichts erreichen!
Wo ist dein Bild, dein Spiegel?

Da jede Kreatur trägt deiner Prägung
Spiegel!

5 Herrlicher als alle Pracht,

erhabener denn alles Denkens Macht!
Web Wort ergründet dich?
Weß Zunge verkündet dich?

Welch Herz kann würdig vor dir schauern?

10 Welch Auge dich erschauen?

Wer hat dir Einsicht, Rat gegeben?
Es hat ja vor dir keinen Gott gegeben.
Das Weltall zeugt und kündet,
daß außer Dir sich keiner findet.

15 Allwärts ist deine Weisheit ausgelegt,
dein Zeichen jedes Wesen trägt.
Als noch die Berge nicht vorhanden,
des Himmels Säulen noch nicht standen,
da war schon fest dein Gottesthron ge-
stellt,

20 eh' Höh'n und Tiefen in der Welt.
Du trägst und hältst das All und dich
trägt keiner,

du füllest alles, dich faßt keiner.
Die Herzen stehen ab, dich zu ergründen.
Es wird die Zunge müd', dich zu ver-
künden.

Der Weisen Geist erstaunt betäubt,
der Kühnen Sinn verwundert stehen bleibt.
Dein Ruhm erschallt aus jedem Munde,
erhaben über jede Mähr und Kunde.
Allmächtiger, wie bist du wundervoll!
Von dir ist Erd' und Himmel voll.
So tief, so tief, — wie ihn ergründen?
So fern, so fern, wer kann ihn finden?
Deine Taten, die sind offenkund,
dein Glaub' in deiner Heil'gen Bund.
Deine Gnade, die ist weit genannt,
deine Lehre
Du bist nahe den zu dir Bekehrten,
du bist fern den Sündigen, Betörten.
Dich schau'n die lautren Seelen,

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wohlbekannt.

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30

35

und ihnen wird das Licht nicht fehlen. 40
Dich hören sie mit ihres Geistes Ohr,
wenn auch geschlossen ist ihr Ohr.
Deine Heiligkeit ist ewig offenbaren:
Heilig, heilig, heilig ist der Gott der
Scharen!

45

b.

Sendest du, Zion, nicht Grüße den
Innigst begrüßen sie dich, sie
Nimm denn freundlich sie auf, die Grüße aus Osten und Westen,
die dir von Fernen wie Nah'n huldigend werden gebracht,

Deinen, die schmachten in Fesseln?
der gerettete Rest.

und auch die Grüße empfang' des Hoffnungsberaubten, dem Tränen
Kühlung gewährten, wie Tau, könnt' er sie weinen bei dir!
Gilt es dein traurig Geschick zu beklagen, dann gleich ich der Eule,
träum' ich von deinem Ersteh'n, tönt wie die Harfe mein Lied!
Sehnsucht füllet mein Herz, wallfahrten möcht' ich nach Bet-El,
beten an heiliger Stätt', an der Geweiheten Gruft!

Dort, wo die Herrlichkeit Gottes bei dir sich errichtet den Thronsitz,
und zu des Himmels Tor führten die Pforten der Stadt;
dort, wo Leuchte dir war des Ewigen himmlischer Lichtglanz,
daß du nimmer bedurft Sonne, noch Mond und Gestirn;
dort, wo der göttliche Geist sich ergoß auf deine Erwählten:
möcht' sich ergießen mein Herz Stätte, wo Gott einst gewohnt.
Thron des himmlischen Herrschers! o sprich, wie durft' es geschehen,
daß auf den Thron des Herrn stieg der verworfene Knecht?
Pilgern möcht ich andächtig von einer Stätte zur andern,

wo in Gesichten sich Gott deinen Propheten gezeigt. Wär ich mit Schwingen begabt — mit meinem zerrissenen Herzen wollte fliegen in Eil' deinen Ruinen ich zu!

Drücken wollt' ich ans Herz dein Gestein, umarmen dein Erdreich, wonniglich küssen den Staub deiner geheiligten Flur!

5

Lebensgenuß ist die Luft in deines Landes Gebiete,

duftig wie Myrrhe dein Staub, süß wie der Honig dein Strom! A, welch' selige Lust! zu wallen wenn nackt auch und barfuß zwischen dem wüsten Gemäuer, das einst dein Heiligtum war! das die Lade des Bundes, die nun geschwunden, beherbergt,

und die Cherubim auch, welche im Innern gewohnt.

Weg mit dem Kranze vom Haupt! und Fluch dem grausigen Zeitraum,

der auf heidnischer Flur deine Geweihten entweiht!

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Oder soll Speise und Trank mir munden, muß seh'n ich die Leiber

deiner geopferten Leu'n zerren von Hunden umher?

30

Soll mir behagen das Licht, das schauen mich läßt, wie der Leichnam deiner Aare nur dient elenden Raben zum Schmaus?

Wer soll deine Gesalbten, wer deine Propheten ersetzen?

wer den levitischen Stamm und den geweihten Chor?

Schmachvoll werden sie stürzen, die Reiche der heidnischen Horden, deine Gewalt nur allein währet auf ewige Zeit!

35

Dich hat der Ewige sich erkoren zum ewigen Wohnsitz;

heil denn dem Manne, der darf deinem Gehöfte sich nah'n! Heil! wer erharrt und erschaut den Aufgang deines Gestirnes, sieht dein strahlendes Licht über sich brechen empor! Glücklich, wer deiner Erwählten und deine Verherrlichung schauet, wenn Du in Jugendgestalt wieder auf Erden erscheinst!

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5

10

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20

MAIR BEN ESRA

Ab braham ben MAIR BEN ESRA (1092-1167) aus Toledo, Astronom, Astrologe und Dichter, durchzog als unsteter Abenteurer Afrika, Palästina, Italien, England und verfaßte auch beißende Epigramme sowie theologisch-philosophische und astronomische Schriften.

Literatur: A. Bonilla y San Martín, Historia de la Filosofía Española (Siglos VIII-XII, Judios), Madrid, 1911, S. 262 ff.

[Text nach M. Sachs, Die religiöse Poesie der Juden in Spanien. Berlin, 1845. S. 111. (Hebr. Text S. 40).]

Von heißem Durst ist meine Seel' erfüllt nach dir, o Gott! doch auch in dir gestillt; wenn sie nach dir verlangend sich verzehrt, ist neues Leben ihr gewährt.

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D. Lateinische Texte des 12. Jahrhunderts

Rabbi

PETRUS ALFONSI

abbi Moïse Sephardi ließ sich 1106 taufen, nachdem er Leibarzt des Königs Alfonso I. von Aragonien geworden war, und hieß seither Petrus Alfonsi. Er schrieb außer einem Dialogus contra Judaeos die Disciplina Clericalis, eine Sammlung von Sentenzen und Beispielen in Form eines Gespräches zwischen Vater und Sohn. Die Bedeutung dieser Sammlung liegt in der für das Abendland neuen orientalischen Form der Rahmenerzählung und darin, daß er den größten Teil seiner Beispiele orientalischen Quellen entnahm. Vgl. W. Söderhjelm, Bemerkungen zur Disciplina Clericalis (Neuphilologische Mitteilungen XII, S. 48ff.)

Aus der Disciplina Clericalis

[Text nach A. Hilka und W. Söderhjelm, Die Disciplina Clericalis des Petrus Alfonsi. Heidelberg, 1911.]

....

a.

Exemplum XIII:

De canicula lacrimante

Magister: «Dictum est quod quidam nobilis progenie haberet uxorem castam nimium et formosam. Contigit forte quod oracionis studio Romam uellet adire, sed alium 5 custodem uxori sue nisi semetipsam noluit deputare, illius castis moribus satis confisus et probitatis honore. Hic autem parato comitatu abiit. Vxor uero caste uiuendo et in omnibus prudenter agens remansit. Accidit tandem quod necessitate compulsa a domo sua propria suam conuentura uicinam egrederetur. Que peracto negocio ad propria remeauit. Quam iuuenis aspectam ardenti amore diligere cepit et plurimos ad eam 10 direxit nuncios, cupiens ab illa qua tantum ardebat amari. Quibus contemptis eum penitus spreuit. Iuuenis cum se sic contemptum sentiret, dolens adeo efficitur ut nimio infirmitatis honere grauaretur. Sepius tamen illuc ibat quo dominam egressam uiderat, desiderans eam conuenire; sed nequaquam preualuit efficere. Cui pre dolore lacrimanti fit obuia anus religionis habitu decorata, querens quenam esset causa que eum sic dolore 15 compelleret. Sed iuuenis que in sua uersabantur consciencia minime detegere uolebat. Ad quem anus: «Quanto quis infirmitatem suam medico reuelare distulerit, tanto grauiori morbo attritus fuerit.» Quo audito narrauit ei ex ordine que sibi acciderant et suum propalauit secretum. Cui anus: «De his que iam dixisti dei auxilio remedium inueniam.» Et eo relicto ad propria remeauit. Et caniculam quam apud se habebat 20 duobus diebus ieiunare coegit et die tercio panem sinapi confectum ieiunanti largita est. Que dum gustaret, pre amaritudine oculi eius lacrimari ceperunt. Post hec uero anus illa ad domum pudice femine perrexit quam iuuenis predictus adeo adamauit. Que honorifice pro magna religionis specie ab eo suscepta est. Hanc autem sua sequebatur canicula. Cumque uidisset mulier illa caniculam lacrimantem, quesiuit quid haberet et 25 quare lacrimaretur. Anus ad hec: «Cara amica, ne queras quid sit, quia adeo magnus dolor est quod nequeo dicere.» Mulier uero magis instigabat ut diceret. Cui anus: «Hec quam conspicis canicula mea erat filia, casta nimis et decora. Quam iuuenis adamauit quidam; sed adeo casta erat ut eum omnino sperneret et eius amorem respueret. Vnde dolens adeo efficitur ut magna egritudine stringeretur: pro qua culpa miserabiliter hec

supradicta nata mea in caniculam mutata est.» His dictis pre nimio dolore erupit in lacrimas anus illa. Ad hec femina: «Quid ego, cara domina, similis peccati conscia, quid, inquam, factura sum? Me etenim dilexit iuuenis quidam, sed castitatis amore eum contempsi, et simili modo ei contigit.» Cui anus: «Laudo tibi, cara amica, ut quam cicius 5 poteris huius miserearis et quod querit facias, ne et tu simili modo in canem muteris. Si enim scirem inter iuuenem predictum et filiam meam amorem, nunquam mea mutaretur filia.» Cui ait mulier casta: «Obsecro ut consilium huius rei utile dicas, ne propria forma priuata efficiar canicula.» Anus: «Libenter pro dei amore et anime remedio mee et quia miseret me tui hunc supradictum iuuenem queram, et si quo inueniri poterit, ad te 10 reducam.»>> Cui gracias egit mulier. Et sic anus artificiosa dictis fidem prebuit, et quem promisit reduxit iuuenem et sic eos associauit.>>

Discipulus ait magistro: «Nunquam audiui tam mirabile quid, et hoc puto fieri arte diaboli.» Magister: «Ne dubites!>>

.....

15

b.

Exemplum XXII:

De rustico et avicula

«Quidam habuit uirgultum, in quo riuulis fluentibus herba uiridis erat et pro habilitate loci conueniebant ibi uolucres modulamine uocum cantus diuersos exercentes. Quadam die dum in suo ille fatigatus quiesceret pomario, quedam auicula super arborem cantando delectabiliter sedit. Quam ut uidit et eius cantum audiuit, deceptam laqueo 20 sumpsit. Ad quem auis: «Cur tantum laborasti me capere, uel quod proficuum in mei capcione sperasti habere?» Ad hoc homo: «Solos cantus tuos audire cupio.» Cui auis: <«<Pro nichilo, quia retenta nec prece nec precio cantabo.» At ille: «Nisi cantaveris, te comedam.» Et auis: «Quomodo comedes? Si comederis coctam aqua, quid ualebit auis tam parua? Et eciam caro erit hispida. Et si assata fuero, multo minor ero. Sed si me 25 abire dimiseris, magnam utilitatem ex me consequeris.» At ille contra: «Quale proficuum?» Auis: «Ostendam tibi tres sapiencie manerias quas maioris facies quam trium uitulorum carnes.» At ille securus promissi auem permisit abire. Cui auis ait: «Est unum de promissis: ne credas omnibus dictis! Secundum: quod tuum erit, semper habebis. Tercium: ne doleas de amissis!» Hoc dicto auicula arborem conscendit et dulci 30 canore dicere cepit: «Benedictus deus qui tuorum aciem oculorum clausit et sapienciam tibi abstulit, quoniam si intestinorum plicas meorum perquisisses, unius ponderis uncie iacinctum inuenisses.» Hoc audiens ille cepit flere et dolere atque palmis pectus percutere, quoniam fidem prebuerat dictis auicule. At auis ait illi: «Cito oblitus es sensus quem tibi dixi! Nonne dixi tibi: non crede quicquid tibi dicetur? Et quomodo credis quod in me sit 35 iacinctus qui sit unius uncie ponderis, cum ego tota non sim tanti ponderis ? Et nonne dixi tibi: quod tuum est, semper habebis? Et quomodo potes lapidem habere de me uolante? Et nonne dixi tibi: ne doleas de rebus amissis? Et quare pro iacincto qui in me est doles ?» Talibus dictis deriso rustico auis in nemoris auia deuolauit.

Aus dem Carmen Campi-Doctoris

Verfaßt in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts. (Handschrift des 13. Jahrhunderts.)

[Text nach A. Bonilla y San Martin, Gestas del Cid Campeador (Boletín de la Real Academia de la Historia LXI, S. 174ff. Vers 17-64. Vgl. E. du Méril, Poésies populaires latines du moyen-âge, Paris, 1847, S. 308ff.]

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